RAIM: das Vorgehen

TOGAF-basiertes RAIM-Vorgehensmodell

Neben der Architekturpyramide als Metamodell und methodisches Hilfsmittel zur überschaubaren und nachvollziehbaren Darstellung und Beschreibung von Intelligenten Mobilitätsdiensten liefert das Rahmenwerk ein auf die spezifischen Bedürfnisse der Architekturentwicklung für Intelligente Mobilitätsdienste ausgerichtetes RAIM-Vorgehensmodell,

Basierend auf den sogenannten TOGAF ADM Phasenmodell, das insgesamt zehn Phasen beinhaltet, konzentriert sich das RAIM-Vorgehensmodell auf die Phasen:

  • V – Vorbereitungsphase,
  • A – Strategie (in TOGAF Architekturvision genannt)
  • B – Geschäftsarchitektur und
  • C – Informationssystemarchitektur (bestehend aus zwei Unterphasen, der Daten- und der Anwendungsarchitektur)

V – Vorbereitungsphase

in dieser Phase wird das ein Glossar für das Architekturprojekt entwickelt und es werden wichtige Prinzipien für das Architekturprojekt festgelegt.

A – Strategie (Architekturvision)

in dieser Phase geht es grundsätzlich darum, eine Vision für einen Intelligenten Mobilitätsdienst bzw. eine Intelligente Mobilitätsdienstekategorie zu entwickeln und – auf einem hohen Niveau – einen ersten Aufschlag für die Architektur zu machen. Stakeholdern und Beteiligten soll vermittelt werden, wie ihre strategischen und geschäftlichen Erwartungen berücksichtigt werden, wie diese in Form von geschäftlichen Zielen formuliert werden und mit welchen messbaren Zielen ihre Zielerreichung am Ende bewertet werden kann.

Ein wichtiger Kern dieser Phase ist es, den Zweck des Architekturansatzes zu (er)klären, darüber unter allen Beteiligten Konsens zu erzielen und diesen in Form einer Vision zu formulieren.

Normalerweise sind Schlüsselelemente einer Architekturvision bereits Bestandteil einer weiter gefassten, z. B. politischen Strategie. Hier gilt es, die Vision so zu formulieren, dass ein Bezug zu dieser Strategie hergestellt wird und die Architekturvision darin eingeordnet werden kann. Beispiele für politische Strategien sind der europäische ITS-Aktionsplan, die europäische ITS-Direktive und der Europäische C-ITS-Masterplan. Beispiele für nationale Strategien sind der IVS-Aktionsplan Straße sowie die Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren der Bundesregierung.

Business-Szenarien stellen eine nützliche Technik dar, um strategische und geschäftliche Anforderungen zu identifizieren, zu dokumentieren und daraus eine Vision zu artikulieren, die diesen Anforderungen entspricht. Business-Szenarien stellen insofern eine gesonderte Methode des RAIM-Vorgehensmodells dar.

B – Geschäftsarchitektur

in dieser Phase geht es grundsätzlich darum, die Geschäftsarchitektur (engl. Business Architecture) von Intelligenten Mobilitätsdiensten/Kategorien von Intelligenten Mobilitätsdiensten zu verstehen, zu modellieren, zu visualisieren und zu beschreiben.

Da die RAIM-Architektur sich weniger mit der Geschäftsarchitektur der an einem Intelligenten Mobilitätsdienst beteiligten Organisationen/Institutionen selbst befasst, sondern den Intelligenten Mobilitätsdiensten selbst und die dafür erforderliche Zusammenarbeitsfähigkeit von Akteuren zum Gegenstand hat, muss das Konzept der Geschäftsarchitektur auf die Architektur der Zusammenarbeit der Akteure übertragen werden. Grundlage dafür sind folgende Konzepte von RAIM:

Intelligente Mobilitätsdienste …

sind eine geschäftliche Leistung von Wertschöpfungsketten bzw. Wertschöpfungsnetzwerken, die aus der organisationsübergreifenden Vernetzung und Zusammenarbeit von Mobilitätsakteuren resultieren.

Wertschöpfungsketten/Wertschöpfungsnetzwerke …

müssen als Prozessketten für Informationslogistik interpretiert werden.

Informationslogistik …

das heißt die Organisation, Steuerung, Bereitstellung und Optimierung von Mobilitätsdienstrelevanten relevanten Informationsströmen ist die eigentliche Herausforderung für die Akteure als Bestandteil von Wertschöpfungsketten/Wertschöpfungsnetzwerken

Vor diesem Hintergrund kann/muss der Begriff Geschäftsarchitektur wie folgt festgelegt werden:

Geschäftsarchitektur …

  • konkretisiert und operationalisiert die Geschäftsstrategie (Ziele und Nutzen) von Wertschöpfungsketten/Wertschöpfungsnetzwerken.                                                            
  • entwickelt Sichten auf das Geschäft (Business) von Wertschöpfungsketten/Wertschöpfungsnetzwerken in Bezug auf Aufbau (Rollen), Führung und Steuerung (Governance) und Geschäftsprozessen und leitet daraus Anforderungen ab

C – Informationsystemarchitektur

In dieser Phase werden die Daten- und die Anwendungsarchitektur entwickelt. Der Fokus liegt dabei auf der Verbesserung der Kollaborations- und Kooperationsfähigkeit zwischen Akteuren bzw. Akteurs-Stereotypen, bei der zuerst die auszutauschenden Informationen (Daten) und danach die Schnittstellen und Anwendungen betrachtet werden. 

Bei der Entwicklung der Geschäftsarchitektur wurden unter anderem Geschäftsprozesse identifiziert. Diese bestehen aus Aktivitäten, die rollenbezogen durchgeführt werden. Zwischen den Aktivitäten werden Informationsobjekte ausgetauscht. Diese Informationsobjekte werden in der Datenarchitektur betrachtet und detailliert beschrieben. Anschließend werden die Schnittstellen, über die die Informationsobjekte ausgetauscht werden sowie die Anwendungen, mit denen die Informationen bearbeitet werden, in der Anwendungsarchitektur genauer untersucht.

CC BY-NC-ND Creative Commons Copyright 2020 RAIM

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